Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

Praktikum im Ausland

Kulturelle Faktoren wie unterschiedliche Religionen, philosophische Überzeugungen, Werte und Normen bestimmen das Leben und somit auch die Art der Betreuung und Pflege. Die Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeschüler/innen erhalten deshalb die Möglichkeit, ihren vierwöchigen Einsatz in der Gemeindekrankenpflege (im 2. Ausbildungsjahr) an einer adäquaten Einrichtung im Ausland zu absolvieren.

Durch diesen Perspektivenwechsel treten die Schüler/innen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen in Kontakt und lernen diese besser kennen. Die gesammelten Erfahrungen beeinflussen den Prozess der beruflichen Identitätsfindung.

Im Anschluss an den Auslandseinsatz reflektieren und berichten die Schüler/innen in ihrem Kurs über die pflegefachlichen - und kulturellen Beobachtungen. So präsentieren sich der Gruppe unterschiedlichste Eindrücke, die sich häufig über mehrere Kontinente erstrecken. Die Option für einen Auslandseinsatz hat sich somit für viele zu einem "Highlight" der Ausbildung entwickelt.            

Berichte unserer Schüler

BRASILIEN - Starthilfeprojekt

Auslandspraktikum in Brasilien, Belém

Brasilien - Land der Gegensätze

Brasilien hat eine Fläche von 8 547 379 km im Vergleich zu Deutschland mit einer Fläche von 357 028 km. Brasilien ist also 24 mal so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt Brasiliens ist Brasilia. Hier befinden sich Regierungsgebäude, Wohn-, Einkaufs- und Universitätsviertel.

Belém liegt im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens am Amazonasdelta. Der Amazonas mit einer Länge von 6 516 km ist der zweitlängste Fluss der Erde. Der längste Teil fliesst durch die Nordregion Brasiliens und mündet in den Atlantischen Ozean. Umgeben von Regenwald bietet er Lebensraum für viele Tierarten wie Krokodile, Piranhas, Süßwasserdelphine, Zitteraale etc.

Lebenssituation

Die Hauptlast dieser ganzen Entwicklung tragen die Indianer. Vielfach werden die Ureinwohner aus ihren Dörfern vertrieben. Wer Indio ist, zählt in Brasilien nichts. Die Diskriminierung in Brasilien ist enorm. Wer weiße Haut hat und dazu noch blond ist, gehört zur „high society“. Etwas über den Indios stehen die Afrobrasilianer. Diese zwei Bevölkerungsschichten leben auch hauptsächlich in den Favelas, den Elendsvierteln.

Neben diesen zwei Bevölkerungsschichten gibt es noch etliche mehr. Krasse Unterschiede sind anzutreffen. Großgrundbesitzer neben Landlosen, Nobelviertel in der Nähe von Favelas. Die Großgrundbesitzer, Fazenderos genannt, sind im Besitz von 100 km Land. Land das durch Brandrodung abgeholzt wurde, langsam versteppt und auf dem jetzt noch vereinzelte Kühe unter Palmen weiden. Daneben, im Straßengraben, die Landlosen. Irgendwo vertrieben. Hütten aus Latten mit Plastikplanen überspannt, kein Strom, kein Abwassersystem. Krankheiten sind hier an der Tagesordnung, da kein Geld für medizinische Versorgung da ist. Dann sind da noch die Arbeiter der Sägewerke.

Von einem winzigen Lohn müssen sie eine Familie ernähren und einen kleinen Bretterverschlag mit einer enormen Miete bezahlen. Der Lebensstandard ist gleich Null und die Arbeitsbedingungen und Umstände sind miserabel.

Die Einheimischen leben teilweise abseits jeglicher Zivilisation. Ein kleines Pfahlhaus am Ufer des Amazonas, hinter dem Haus der Urwald. Das einzige Fortbewegungsmittel ist das Kanu.

Trotz der einfachen Lebensweise und der Armut – wie wir es bezeichnen würden – besitzen Brasilianer eine ausgesprochene Lebensfreude und ansteckende Fröhlichkeit. Die Herzlichkeit und Freundlichkeit ist auffallend. Und obwohl das Leben in den Städten turbulent und vielfarbig ist, haben die Menschen dort Zeit. Abends ist alles auf der Straße, man redet miteinander, Sambamusik im Hintergrund – Leben pur. Auf dem Land wird die Öllampe angezündet –es gibt oft noch keinen Strom – die Familie sitzt zusammen, die Großeltern erzählen Geschichten. Aber nicht alles ist so idyllisch und voll Freude. In den Favelas herrscht viel Kriminalität. Misshandlung, Unterdrückung und öfters mal eine Schlägerei sind hier an der Tagesordnung. Die Kinder aus dem Starthilfeprojekt kommen aus einer solchen Favela.

Starthilfeprojekt

Das Starthilfeprojekt befindet sich im Stadtteil Pedreira. Pedreira ist ca. 3 km vom Stadtzentrum entfernt und von Gegensätzen geprägt. Das Zentrum verfügt über asphaltierte Straßen, Kanalisation, Müllabfuhr und Busverbindung.

Dort gibt es schulische Einrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, Banken und Supermärkte. Neben diesem Stadtzentrum gibt es allerdings noch eine Art Randgebiet. Hier wohnen die Leute in schäbigen Holzhütten, errichtet im Überschwemmungsgebiet eines großen Abwasserkanals. Die sozialen und finanziellen Verhältnisse der hier lebenden Familien sind sehr schlecht. Kriminalität, Kindesmißhandlung und Kinderarbeit sind hier an der Tagesordnung.

Das Starthilfeprojekt wurde 1996 begonnen, um Kindern der ärmsten Familien die Phase des Schuleintritts zu erleichtern. Gerade der Schulbeginn stellt in Brasilien eine besondere Herausforderung da, da das öffentliche Schulsystem mit überfüllten Klassen, schlecht bezahlten und wenig qualifizierten Lehrkräften Kindern aus problematischen Familienverhältnissen keine guten Lernbedingungen bieten kann. Laut Statistik kommen von 1000 eingeschulten Kindern nur 300 bis zur 8. Klasse, davon nur 45 ohne sitzen zu bleiben. Das Ziel des Projektes ist die Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. 45 Kinder im Alter von 4 –9 Jahren werden in 3 Klassen unabhängig unterrichtet.

Es sind Kinder, die entweder nicht oder nur unter großen schwierigen Bedingungen die Schule besuchen, die extremen sozialen Aggressionen durch Hunger und Gewalt ausgesetzt sind und die aus problematischen Familienverhältnissen stammen, in denen sie auf keinerlei Begleitung beim Schuleintritt zählen können.

Die Unterrichtsmethoden sind sehr vielfältig. Spiele, Malen, Theater, Tanz und gestaltende Kunst sind neben dem Schreiben und Lesen lernen ein wichtiger Bestandteil. An manchen Tagen werden Ausflüge gemacht, um den Kindern ein Stück Kindheit zu schenken oder durch Einbeziehung der Sinne Lerninhalte zu übermitteln.

Die tägliche warme Mahlzeit ist ein wichtiger Bestandteil, da viele der Kinder zu Hause nur unzureichend Essen bekommen.

Das Projekt wurde von der evangelisch-methodistischen Gemeinde in Belém gestartet. Die Zuwendung zu den Kindern stellte immer einen Schwerpunkt der Gemeindearbeit dar. Das Ziel ist, den Kindern aus den ärmsten Familien den Schuleintritt zu erleichtern und neben den schulischen Inhalten auch die christliche Lehre zu vermitteln, so dass die Kinder Jesus Christus als Bezugspunkt des Lebens kennenlernen können.

Meine Aufgaben

Als Praktikantin unterstützte ich Erzieherinnen bei ihrem Unterricht, bastelte mit den Kindern, half bei den Hausaufgaben, bereitete Projekte mit vor und führte anfallende Tätigkeiten aus. Nebenbei entwarf ich Spiele, da das Geld für gekaufte Spielzeuge nicht vorhanden ist und arbeitete am Aufbau eines Spielplatzes für das Projekt mit.

Zusammenfassung

Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Neben einigen interessanten Erfahrungen im Bezug auf Unterrichtsgestaltung und kreativem Arbeiten mit Kindern, durfte ich viele bereichernde Erfahrungen im menschlichen Bereich machen. Die herzliche Aufnahme und Integration in das Team trotz mancher Verständigungsschwierigkeiten war beeindruckend. Eine weitere bereichernde Erfahrung war, die Lebensfreude trotz miserabler Umstände, zu erleben.

Anita Schwenkschuster

RUMÄNIEN - Starthilfeprojekt

Auslandspraktikum in Rumänien, Bulgarus

Einsatz in einem Kinderheim mit 14 Kindern zwischen 4 und 18 Jahren

Trägerschaft: MUT e.V. (Mitmachen und Teilen)

Ziel und Zweck der Einrichtung

  • Kindern ein Zuhause geben
  • Schule und Ausbildung ermöglichen
  • Liebe, Sicherheit, Schutz und Geborgenheit geben

Art der Aufgaben und Tätigkeiten

  • Eigenversorgung durch eigene Landwirtschaft anstreben
  • Betreuung von gesunden und verhaltensauffälligen Kindern
  • Essensversorgung von zwei alten Frauen im Ort

Art und Tätigkeiten von uns

  • Hilfe im Haushalt
  • Hausaufgabenbetreuung
  • Unterrichtung und Verbesserung der deutschen Sprache bei Kindern
  • pädagogisch sinnvolle Freizeitgestaltung
  • allgemeine Kinderbetreuung
  • psychische Betreuung

Unsere Erwartungen

  • Kennenlernen der rumänischen Lebensumstände und sonstiger Einrichtungen wie Kindergarten, Schule und Krankenhaus
  • Integration und Einlernen beim Tagesablauf
  • Erlangung von Vertrauen bei Kindern

Unsere Enttäuschungen

  • Keine
Fachliche, interessante Erfahrungen

Kinderheim Bulgarus

  • Umgang mit gesunden und verhaltensauffälligen Kindern
  • Behandlung von Kindern mit Kopfläusen (Behandlung mit Petroleum)
  • Erfahrungen im Bereich Hygiene: tägliche Reinigung des Hauses und Reinigung des Speiseraumes nach jeder Mahlzeit

Kinderkrankenhaus in Timisoara

  • Kinder sind nach Krankheiten getrennt (z.B. 2 HIV Zimmer)
  • Infusionen werden auf dem Gang gerichtet, sämtliche Ampullen stehen mit entferntem Gummisstopfen offen auf dem Gang
  • Krankenhaus wird von EU unterstützt, daher sind gleiche medizinische Geräte vorhanden, werden jedoch nur in sehr schweren Fällen eingesetzt
  • Blutentnahme wird ohne Handschuhe durchgeführt (auch bei bekannter Hepatitis)
  • Händedesinfektionsmittel sind nicht vorhanden, Hände werden nur mit Seife gewaschen
  • Hygienerichtlinien werden vom Personal nicht eingehalten (z.B. hohe Absätze, offene Haare, blutverschmierte Arbeitskleidung, usw.)
  • Schmerztherapien werden nicht durchgeführt, da Medikamente zu teuer sind (Kind mit vaskulärem Tumor, ca. 2 Jahre alt, linkes Bein 3 mal so dick wie rechtes Bein und blau-rot verfärbt)
  • Kind mit blastischer Anamie kann in Rumänien nicht behandelt werden, da spezielle KMT erforderlich ist und für eine Auslandsbehandlung keine finanziellen Mittel vorhanden sind

Kindergarten in Bulgarus

  • große, hohe Räume mit Holzofen beheizt
  • kahle Räuume mit sehr wenig Spielzeug
  • von Hand aufzufüllende Wassertanks mit darunterliegenden
  • Waschschüsseln
  • alte, zum Teil defekte Möbel

Schule in Bulgarus

  • alte Schulmöbel, ansonsten relativ guter Komfort, da die Schule von MUT unterstützt wird
  • MUT finanziert für die 90 ärmsten Kinder täglich ein Pausenbrot
  • viele Kinder vom Dorg können die Schule nicht besuchen, da sie keine ausreichend schöne Kleidung besitzen; viele Kinder wechseln sich ab mit Kleidung und Schulbesuch
  • die Klassen sind sehr groß

Rehabilitationszentrum im Landesinneren (ca. 5 Stunden Fahrt)

  • Zentrum ist sehr unhygienisch (Holzwände und -türen, sanitäre Einrichtungen, Schlafgelegenheiten
  • Blutdruckmessgerät mit mmHg-Säule
  • Therapieräume nur notdürftig eingerichtet

Kinderheim in Tmisoara

  • Platz für ca. 290 Waisenkinder
  • pro Zimmer sind mindestens 7 Kinder untergebracht
  • Kinder werden nicht altersgerecht gefördert, da zu wenig Personal eingestellt werden kann
  • zu wenig Geld für ausreichendes Essen vorhanden

Menschliche Erfahrungen

  • Kontakt mit Einheimischen, denen täglich das Essen geliefert wird
  • die Menschen wohnen aus Lehm und Dreck gebauten, kaputten und heruntergekommenen Häusern (Ziegelsteine sind zu teuer)
  • 9 Menschen wohnen in 2 Räumen mit 4 Betten, die gleichzeitig Ess- und Wohnraum sind
  • kein fließendes Wasser vorhanden; Wasser wird an einen Ziehbrunnen auf der Straße geholt
  • es wird noch viel mit Pferden gearbeitet und auf der Straße begegnet man gleich viel Kutschen wie Autos
  • es gibt keine asphaltierte Straße

Sonstiges

Wir waren positiv überrascht, wie gut das Kinderheim im Gegensatz zu den anderen Häusern in Rumänien aufgebaut und nach westeuropäischem Standard eingerichtet ist. Es gibt dort fließendes, warmes Wasser, Mikrowelle und Spülmaschine. Auch ein Trockner, ein Elektro- und Gasherd sowie Traktoren und Autos sind hier vorhanden.

Carmen Schumacher, Nicole Möhrle, Annelies Albisser


Mehr Auslandsberichte vom Pflegepraktikum der Gesundheits- und Krankenpflege gibt´s hier.
Gesundheits- und KinderKrankenpflege