Gesundheits- und krankenpflege

Praktikum im Ausland

Kulturelle Faktoren wie unterschiedliche Religionen, philosophische Überzeugungen, Werte und Normen bestimmen das Leben und somit auch die Art der Betreuung und Pflege. Die Gesundheits- und Krankenpflegeschüler/innen erhalten deshalb die Möglichkeit, ihren vierwöchigen Einsatz in der Gemeindekrankenpflege (im 2. Ausbildungsjahr) an einer adäquaten Einrichtung im Ausland zu absolvieren.

Durch diesen Perspektivenwechsel treten die Schüler/innen mit Menschen unterschiedlicher Kulturen in Kontakt und lernen diese besser kennen. Die gesammelten Erfahrungen beeinflussen den Prozess der beruflichen Identitätsfindung.

Im Anschluss an den Auslandseinsatz reflektieren und berichten die Schüler/innen in ihrem Kurs über die pflegefachlichen - und kulturellen Beobachtungen. So präsentieren sich der Gruppe unterschiedlichste Eindrücke, die sich häufig über mehrere Kontinente erstrecken. Die Option für einen Auslandseinsatz hat sich somit für viele zu einem "Highlight" der Ausbildung entwickelt.            

Berichte unserer Schüler

AUSTRALIEN - Altersheim in Melbourne

Auslandspraktikum in Bayswater/Melborne (Australien)

Das Wort "Tabulam" bedeutet in mehreren Sprachen der australischen Ureinwohner soviel wie "mein Heim" oder "meine Raststätte". Träger ist der Deutsch-Australische Hilfsverein e.V. in Zusammenarbeit mit der Tempelgesellschaft in Australien.

Wir arbeiteten im Otto Löbert Heim. Das Personal auf der unteren Station versorgt auch das Altersheim mit. Insgesamt arbeiten etwa 110 meist teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter, 2 Directors of Nursing, sowie viele freiwillige Helfer/innen im Altersheim.

Tabulam und Templer Altenheime, Eingangsbereich

Den Heimbewohnern werden sehr viele Aktivitäten geboten. Jeden Morgen werden in allen Bereichen des Heimes Plakate ausgehängt, auf denen alle stattfindenden Aktivitäten dieses Tages vermerkt sind. Es gibt sogar extra Personal, was eigens für "Activities" zuständig ist. Um nur einige Programmpunkte zu nennen: Spiele (Bingo, Uno, etc.), Gymnastik, Meditation, Kaffeklatschrunde, Happy Hour, Raterunde, Männerrunde, Basten, Ausflüge, Besuch von Konzerten, etc.

Finden diese Aktivitäten in anderen Teilen des Heimes statt, werden die Bewohner selbstverständlich dorthin begleitet. Außerdem werden auch Demente und schüchterne Bewohner eingebunden und aktiviert, mitzumachen.

Da das Heim sehr begehrt ist, beträgt die Wartezeit oft Jahre. Generell kommen dennoch immer wieder Neuzugänge ins Heim. Nur die wenigsten haben davon wirklich vor, wieder in ihr eigenes Haus zurückzukehren und nehmen die TTHA nur als Übergangslösung in Anspruch. Die meisten bleiben dort bis zu ihrem Tod. Den Rekort schlägt im Moment eine Bewohnerin, die schon seit 24 Jahren in den TTHA lebt. Die älteste Heimbewohnerin war zu dem Zeitpunkt unseres Aufenthaltes stolze 102 Jahre.

Gemeinschaftsraum im Otto Löbert Heim "upper Floor"

Die pflegerischen Ziele und Prioritäten liegen darin, dass sich jeder Bewohner zu Hause fühlt und so frei und selbstständig wie möglich leben kann. Außerdem steht im Vordergrund, die Persönlichkeit und Würde eines jeden Bewohners zu respektieren und den deutschsprachigen Hintergrund zu beachten und zu pflegen.

Von der Pflegebedürftigkeit steht eindeutig die Grundpflege im Vordergrund. Medizinische Tätigkeiten wie Tabletten verabreichen, Injektionen etc. dürfen nur von Nurses mit abgeschlossenem Studium durchgeführt werden.

Bild: Otto Löbert Heim

Das Nursing-Studium dauert in Australien drei Jahre. Dabei liegt der Theorieanteil bei weit über 90%. Praktische Erfahrungen können freiwillig neben dem Studium gesammelt werden. Die Inhalte und Aufgaben, die nach dem Studium von einer Nurse übernommen werden, sind in etwa dem deutschen System äquivalent. Jedoch kommt noch ein großer organisatorischer Aufgabenbereich hinzu.

Die Pflege hat in Australien einen hohen Stellenwert, der Beruf ist sehr hoch angesehen. Auch die Verdienstmöglichkeiten sind besser. Nurses sind in Australien Mangelware und die Berufsaussichten sind dementsprechend gut.

Autralien verfügt über ein sicheres Netz sozialer Sicherheit, das Bedürftigen Einkommenshilfen und andere Formen der Unterstützung zukommen lässt. Generell leben in Australien viel mehr alte Menschen in Altersheimen als hier in Deutschland. In den Tabulam und Templer Heimen zahlen über die Hälfte der Residents nur die Grundgebühr von $27,50 pro Tag.

Andrea Haas und Julia Kunz Krankenpflegeschule

Die gesetzliche Krankenversicherung ist unter dem Namen Medicare bekannt und erhebt einen Beitrag von 1,5% des steuerpflichtigen Einkommens der Berechtigten. Wer kein Einkommen hat oder von Arbeitslosengeld oder Staatsrente lebt, erhält freie Mitgliedschaft.

Die Zeit in Australien war auf jeden Fall eine Erfahrung, die wir auf gar keinen Fall missen möchten. Die Freundlichkeit der Leute, die einzigartige Natur und die Vielfalt des Kontinents waren jeden australischen Cent wert!

JAMAICA - Mandeville Regional Hospital

Auslandspraktikum in Mandeville/Jamaica

Im Rahmen meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin durfte ich fünf Wochen den Klinikalltag, Land und Leute meiner Wahl kennenlernen.

Ich habe mich über die Organisation Projects Abroad angemeldet und bin mit ihnen nach Jamaica geflogen. Trotz einiger Regentage hält Jamaica das, was es verspricht: nette und aufgeschlossene Leute, weiße Sandstrände, türkisblaues Meer und eine Gelassenheit, wie man sie nirgendwo sonst findet. Die ideale Beschreibung für das Wort PARADIES.

Natürlich dürfen das leckere Essen und die Reggea- Musik nicht fehlen. Projects Abroad organisiert für dich nicht nur eine Gastfamilie, bei der du wohnen kannst sondern sucht auch eine Klinik aus in der du arbeiten kannst. 

Unter der Woche habe ich im Mandeville Regional Hospital gearbeitet. Jede Woche habe ich die Station gewechselt und konnte dadurch viele Eindrücke und Erfahrungen sammeln. Die Krankenschwestern und Ärzte sind sehr nett und aufgeschlossen und zeigten mir den Stationsalltag. Das Highlight war natürlich die Woche im OP. Ich durfte mir aussuchen, welche Operationen ich sehen wollte und durfte unter anderem bei einem Kaiserschnitt dabei sein. Es ist wirklich sehr interessant zu sehen, wie die Ärzte und Krankenschwestern in einem anderen Land mit weniger Möglichkeiten und unter ganz anderen Umständen zurechtkommen und ihre Arbeit meistern. Etwas schockierend sind natürlich Wunden, die man in Deutschland nicht zu sehen bekommt, beispielsweise solche, die durch eine Machete verursacht wurden. Viele Jamaicaner haben nicht das Geld um viel herumzureisen. Das merkt man unter anderem auch daran, dass sie, vor allem in der Klinik, glauben, dass so wie sie ihren Stationsalltag meistern, es überall gehandhabt wird. Sie waren sehr verwundert, als ich ihnen geschildert habe, wie das Gesundheitssystem oder der Klinikalltag in Deutschland aussehen.

Natürlich darf die Freizeit nicht zu kurz kommen. An den Wochenenden hast du Zeit die Insel, Landschaft und Leute noch besser kennen zu lernen. Es gibt an jeder Ecke etwas Besonderes zu erleben, egal ob du ans Meer, in die Blue Mountains oder in die Hauptstadt Kingston fährst. Da die Insel relativ klein ist, habe ich in meinen fünf Wochen die für mich wichtigsten Orte auf Jamaica gesehen. 

Als „Whity“ (Weiße) fällt man natürlich recht schnell auf, was mir aber erst nach ein paar Wochen bewusst wurde, als ich auf dem Markt eine andere Europäerin gesehen habe. Mit der Zeit vergisst du, dass du mit deiner Hautfarbe so herausstichst, weil die Jamaicaner dir nicht das Gefühl geben, fremd oder unerwünscht zu sein. Sie sind jedoch sehr neugierig und fragen oft, woher man kommt und wie es einem auf Jamaica gefällt. Durch die offene Art der Jamaicaner kommt man mit ihnen immer schnell ins Gespräch. 

Es waren wunderschöne fünf Wochen auf dieser traumhaften Insel! Ich bin sehr froh, dass ich durch die Pflegeschule die Möglichkeit hatte, während der Ausbildung so viel Erfahrung in einem anderen Land mit anderen medizinischen Möglichkeiten zu sammeln. Dank Projects Abroad habe ich mich in diesem Land sicher und in der Klinik gut aufgehoben gefühlt. Ich würde jedem empfehlen, der gerne neue Leute und eine völlig andere Kultur kennen und lieben lernen möchte: Geht nach Jamaica und erlebt eine unvergessliche Zeit!!!

Bilder: Universitätsklinikum, Heiko Grandel

NAMIBIA - Katutura State Hospital

Auslandspraktikum in Namibia

Unsere Bezugsperson Frau Pretorius kam am ersten Tag in unsere Unterkunft, um mit uns die folgenden 4 Wochen zu planen und zu besprechen. Wir haben uns dann dazu entschlossen, die ersten zwei Wochen im Katutura State Hospital auf einer Station in der Inneren Abteilung zu verbringen.

Auf diesen Stationen (40 Betten/Station) liegen Patienten mit folgenden Krankheitsbildern: AIDS, Tuberkulose, Malaria, kardiale und gastrointestinale Erkrankungen, wobei 90% aller Patienten HIV-positiv sind. Wider Erwarten lagen HIV-positive Patienten und TBC-Erkrankte nicht in den vorhandenen Isolationszimmern, von denen es auf jeder Station sechs gibt. Sie lagen in 6-Bett-Zimmern, von denen es ebenfalls sechs gibt. Keines der Zimmer ist mit einer Glocke ausgestattet. Auf jeder Station gibt es ein Zimmer, welches im Blickfeld des Schwesternstützpunktes ist. In diesem Zimmer liegen Schwerstpflegefälle und präfinale Patienten. Erschreckend war für uns, dass in diesem Raum täglich 3-5 Patienten sterben.

 

Unser Dienstbeginn war morgens um 7 Uhr. Jeder von uns wurde einem Schüler zugeteilt. Danach wurde man von der Registered Nurse zum Betten machen oder waschen eingeteilt. Dort sind uns schon die ersten gravierenden Unterschiede aufgefallen. Bettwäsche ist Mangelware. Schmutzige Leintücher werden einfach umgedreht. Danach wiederverwendete Bettwäsche wird auf dem Boden abgelegt.

Beim Waschen wird für Gesicht und Genitalbereich immer der gleiche Waschlappen und das gleiche Handtuch benutzt. Waschwasser wird ebenfalls nicht gewechselt. Es werden weder Prophylaxen noch Wundversorgung durchgeführt. Alle pflegerischen Tätigkeiten werden vom Pflegepersonal übernommen und die Ressourcen des Patienten werden nicht gefordert. Von pflegerischer und ärztlicher Seite findet kaum Kommunikation mit dem Patienten statt. Nach dem morgendlichen Betten machen und waschen haben wir die Station für 2-3 Stunden verlassen, um an der täglichen Doctor´s Round (Visite) teilzunehmen.

Die Arztgruppe wechselte täglich und es werden ausschließlich neu aufgenommene Patienten vorgestellt. Anschließend waren wir auf Station bei der Medikamentenausgabe und der Vitalzeichenkontrolle behilflich. Medikamente werden nur durch die Registered Nurses verteilt. Danach war unsere Schicht beendet. Der Arbeitstag des Pflegepersonals dauert jedoch bis zu 12 Stunden und endet erst abends.

Das Pflegepersonal in Namibia trägt bei der Arbeit Uniform. Der Rang ist durch Streifen und Medaillen auf der Schulter gekennzeichnet. Die Schüler tragen ihrem Ausbildungsjahr entsprechend 1 bis 4 Streifen. Die Krankenpflegeausbildung dauert 4 Jahre, wobei diese die Ausbildung zur Hebamme mit einschließt. Die Schüler sind verpflichtet, jede durchgeführte pflegerische Tätigkeit aufzulisten. Datenschutz wird nie berücksichtigt.

Die nächsten beiden Wochen verbrachten wir in der Katutura Clinik, eine Art Tagesklinik. Es gibt Räume mit unterschiedlichen Aufgabengebieten, z.B. Family Planning (hier kommen meist junge Frauen, um sich ihre Verhütung kostenlos abzuholen), Dressing Room (hier werden alle Verbände gemacht), Immunization Room (dort werden Impfungen durchgeführt), Doctor´s Room (hier werden die Patienten von den Ärzten untersucht).

Wir hatten die Möglichkeit, die Krankenschwestern auf eine Farm zu begleiten. Die Farmen liegen bis zu 100 Kilometer in sehr abgelegenen Gebieten. Hier werden die Arbeiter und deren Angehörige mit den nötigen Medikamenten versorgt. Krankenschwestern übernehmen die Aufgabe und Verantwortung eines Arztes.

Einen weiteren Arbeitstag verbrachten wir in einer Schule. einige Kinder wurden geimpft und alle mussten sich einem Seh- und Hörtest unterziehen. Weitere Tage arbeiteten wir in der Ambulanz des Katutura State Hospitals. Hier konnten wir bezüglich des Arbeitsauflaufes keine großen Unterschiede zu Deutschland feststellen.

Das große Highlight war unsere Nachtschicht in der Notaufnahme des Katutura State Hospitals. Hier sahen wir überwiegend Verletzte mit Stich- und Schnittwunden. Nähen ist Aufgabe des Pflegepersonals. Bei ernsthafteren Verletzungen, wie z.B. Pneumothorax, wird der diensthabende Arzt verständigt. Es spielt keine Rolle, ob Internist oder Chirurg. Diese Nacht war für uns sehr beeindruckend, aber auch sehr erschreckend, da wir noch nie so viel Blut und Verletzungen dieser Art gesehen haben. Wir haben beim Legen von Thoraxdrainagen assistiert und zwei von uns haben sogar genäht.

Sowohl im Katutura State Hospital als auch in der Katutura Clinik (staatliche Einrichtungen) werden ausschließlich Patienten ohne Krankenversicherung für geringen finanziellen Aufwand (50 Cent pro Behandlung) medizinisch versorgt. Menschen mit Krankenversicherung werden in privaten Einrichtungen mit europäischem Standard behandelt. Eine private Einrichtung, das Roman Catholic Hospital, haben wir mit Herrn Schleicher besucht.

Nicht nur aus beruflicher Sicht waren diese 5 Wochen eine Bereicherung für jeden von uns. Diese Erfahrung möchten wir nicht missen und wir empfehlen jedem, der die Möglichkeit hat, diese Chance wahrzunehmen.

Informationen zum Thema AIDS

Im Katutura State Hospital hatten wir die Möglichkeit, uns mit einer Krankenschwester ausführlich über das Thema AIDS zu unterhalten:

  • Namibia ist das Land mit der dritthäufigsteen Anzahl an HIV-Infizierten weltweit
  • 65% der namibischen Bevölkerung sind HIV-positiv
  • Die meisten Erkrankten wissen so lange nichts von ihrer HIV-Infektion, bis sie an den Symptomen des Vollbildes AIDS leiden
  • Reaktion auf die Diagnose: Viele sind nicht überrascht
  • Ca. 2/5 aller Infizierter möchte keine Kondome benutzen, da sie nicht alleine an dieser Krankheit sterben möchten und daher mit Absicht andere Menschen anstecken
  • Viele Männer schlafen nur mit Jungfrauen, da diese nicht mit HIV infiziert sein können. Aus diesem Grund werden auch viele Jugendliche, Kinder und Babys vergewaltigt.
  • Viele Menschen lassen sich testen, wollen aber ihr Ergebnis nicht wissen.

Carolin Valte, Dominik Weihs, Sarah Schuster, Andrea Egenter

PHILIPPINEN - Good Shepherd Hospital of PanaboCity

Mein Abenteuer auf den Philippinen

Mein Name ist Anna Maria Unger und ich bin 22 Jahre alt. Ich habe im Herbst 2013 am Uniklinikum Ulm eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenschwester begonnen. Damals fragten mich einige meiner Freunde, warum ich mich gerade für Ulm entschieden hatte. Mit einer der ausschlaggebenden Aspekte war sicherlich das Angebot des Auslandseinsatzes Mitte des zweiten Lehrjahres.

Und so kam es, dass ich im Juli 2015 für vier Wochen eine unbeschreiblich schöne, spannende und interessante Zeit auf den Philippinen verbringen durfte. Das Krankenhaus, in welchem ich arbeitete, das „Good Shepherd Hospital of PanaboCity“, befand sich im Süden des Inselstaats und lag unweit entfernt von der Millionenstadt Davao.

Natürlich war ich an meinem ersten Tag sehr aufgeregt, denn ich wusste nicht wirklich, was ich zu erwarten hatte. Doch die Filipinos machten mir den Anfang wirklich leicht. Mit ihrer offenen und so freundlichen Art brach das Eis sofort und auch die Sprachbarriere sorgte viel mehr für Lachen als für Unstimmigkeiten. Die meisten Menschen verstehen zwar Englisch, denn Englisch gilt als Amtssprache auf den Philippinen, doch viele ältere Menschen oder Menschen, welche sehr ländlich wohnen, sprachen lediglich „Tagalog“ - die eigentliche Landessprache. Doch mit Händen und Füßen konnte man sich immer behelfen und so klappte die Verständigung mit den Filipinos doch meistens ganz gut und es gab dabei immer viel zu lachen. Während meiner vier Wochen war ich im Emergency Room (Notaufnahme) untergebracht und durfte dort mitarbeiten. Das Team bestand aus 6 Vollzeitkräften und einer Head Nurse (Stationsleitung). Die Aufgaben waren im Wesentlichen sehr ähnlich mit den Aufgaben, die wir auch hier in Deutschland erledigen: Vitalzeichen erheben, Wundversorgung durchführen, Infusionstherapie, Zugänge legen, Dokumentation, Impfungen verabreichen und Arztassistenz.

Außergewöhnlich waren für mich auch die Tage, an denen ich mit in den OP durfte. So konnte ich mehrere Geburten erleben und bei einigen Augenoperationen assistieren. Dass die Geräte und die Ausstattung natürlich etwas variierten im Vergleich zu deutschen Verhältnissen, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen. Doch die Mitarbeiter waren alle sehr kompetent und sicher im Umgang mit Patienten. Pflegekräfte auf den Philippinen haben, wie viele andere Länder auch im Gegensatz zu Deutschland, einen Bachelor- Abschluss, welcher nach einem 4-jähirigen Studium erreicht wird. Eine weitere wertvolle Erfahrung war meine Unterkunft in einem Kinderheim in Panabo. Dort lernte ich andere Einheimische und sogar ein paar deutsche Freiwillige kennen.

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass dieser Auslandseinsatz weiterhin bestehen bleibt und für kommende Schüler eine Möglichkeit bietet in eine andere Welt einzutauchen. Für mich war es ein ganz besonderer Einsatz, da ich die Möglichkeit bekam, eine ganz andere Seite der Welt kennenzulernen. Man lernt die Dinge kritischer zu sehen und zu hinterfragen. Es bietet jungen Menschen die Chance eine andere Kultur, Pflege in einem anderen Land und internationale Pflegekräfte kennenzulernen.

Paalam na! Anna Maria Unger

‍Bilder: Anna Maria Unger
USA (North Carolina) - Pitt County Memorial Hospital

Auslandspraktikum in North Carolina (USA)

Mit dem Flug von Frankfurt nach New York bin ich in Greenville in North Carolina angekommen.

Mrs. Kirkpatricks Mann hat mich vom Busbahnhof abgeholt und mich zu meinem Wohnheim gebracht. Nach der Schlüsselübergabe wurde mir ein Zettel in die Hand gedrückt mit der Nachricht dass ich Morgen früh bei Teena Thompson sein soll. Allerdings wusste er nicht, wo ich diese Teena finden würde.

Als ich dann am nächsten Morgen auf mehreren Umwegen und mit meiner Karte in der Hand das Büro von Teena ausfindig gemacht hatte war die erste Hürde schon überwunden. Nachdem ich dann mit Teena die finanziellen Sachen erledigt hatte stand mir der restliche Tag zur freien Verfügung.

Ich startete eine kleine Rundreise mit dem Uni-Bus durch das ganze Uni Gelände und erkundete allgemein ein wenig meine neue Umgebung. Greenville hat allgemein ca. 60 Mio. Einwohner wovon 20 Mio. nur Studenten sind. Mittwochs, am dritten Tag traf ich mich mit Mrs. Kirkpatrick in der „School of nursing“. Wir besprachen gemeinsam den Wochenplan, den sie für mich erstellt hatte.

Anschließend war ich eingeladen am Unterricht einiger Nursing Studenten teilzunehmen, die in Gruppen Vorträge über Forschung in der Pflege halten mussten. Ich war ziemlich überfordert mit dem vielen und schnellen Englisch. Doch es war interessant zu sehen, wie der Unterricht bei ihnen abläuft.

Am Abend bin ich mit anderen Studenten, welche ich im Wohnheim kennen gelernt habe, zum Essen gegangen. Christi kam auch mit. Ich unterhielt mich sehr lang mit ihr an diesem Abend und wir stellten fest, dass wir viele gemeinsame Interessen hatten. So begann unsere Freundschaft, die meine Zeit in ECU (East Carolina University) deutlich verschönerte.

Am nächsten Morgen wurde ich von Mrs. Kirkpatrick abgeholt und in das Pitt County Memorial Hospital gefahren.

Dort verbrachte ich einen Tag mit Nurse Deborah im Onkologie Zentrum. Deborah war keine Nurse auf einer Pflegestation, sondern sie kümmerte sich um Krebspatienten, die sich aus finanziellen Gründen keine Versicherung leisten können. In den USA gibt es zwei verschiedene Systeme von Krankenpflegeversicherung:

  • Medicare ist für Patienten die monatlich einen bestimmten Betrag eingezahlt haben und das 65 Lebensjahr erreicht haben
  • Medicade ist für Patienten jeden Alters, die kaum Geld haben

Ich habe Deborah dann den Tag über begleitet, bei Visiten und Besprechungen zu gehört und auch einzelne Patienten mit ihr besucht. Mir fiel sofort auf, dass fast alle Ärzte unter ihrem Arztkittel ein Hemd mit Krawatte trugen. Das lies sie gleich viel respektvoller wirken!

Auf den meisten Stationen befindet sich vor jedem Patientenzimmer ein Computer mit den jeweiligen Daten des Patienten. Dadurch erfolgt die komplette Dokumentation über den Computer und Patientenakten gibt es somit so gut wie nicht mehr. Doch was, wenn das Computersystem mal wegen eines Defektes ausfällt?!

Die Wochenenden, einschließlich Freitag hatte ich immer frei. So verbrachte ich die meiste Zeit gemeinsam mit Christ, wir gingen schwimmen, viel Spazieren und spielten auf der Wiese Karten. Sonntags bin ich gemeinsam mit ihr in Gottesdienst einer Baptisten Gemeinde gegangen. Dort habe ich dann durch Christi einige nette Leute kennen gelernt, unter anderem auch Familie Smith, die uns anschließend gleich zum Essen eingeladen hat.

Am Montagmorgen wurde ich dann wieder von Mrs. Kirkpatrick am Wohnheim abgeholt. Heute ging unsere „Reise“ gemeinsam mit Peter Esterhuizen (ein britischer Krankenpfleger aus Amsterdam, der sein Masterdegree absolviert) nach Morehaed City zu Dr. Kojevski. Sie ist eine ehemalige Ärztin vom Pitt County Memorial Hospital und gut mit Mrs. Kirkpatrick befreundet.

Den Vormittag verbrachten wir mit viel erzählen und leckerem Essen mit ihr und ihrem Mann. Nach dem Abschied fuhren wir noch nach Atlantic Beach wo ich das erste Mal seit meiner Ankunft die lang ersehnte Meeresluft schnuppern konnte. Wellenreiten war ich natürlich auch. Leider konnten wir nicht sehr lange am Strand verweilen da es schon recht spät war und die Heimfahrt uns noch einige Zeit kostete. Doch es war trotzdem eine schöne Zeit direkt am Meer.

Dienstagvormittag hörte ich in einem Vortrag über Ausbildungssysteme in Europa zu. Ich verbrachte einige Zeit in der Schule, um mir einen Überblick über „Courses-on-line “ zu verschaffen. Die Lehrer geben Lektionen in den Computer ein und teilen den Studenten Arbeitsaufträge mit, die sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigen müssen. Über das s. g. „Blackboard“ im Intranet haben die Studenten Zugriff, erledigen am PC ihre Aufgaben und schicken die Ergebnisse per E-Mail an die jeweiligen Lehrer zurück.

Am nächsten Morgen hatte ich einen Termin in Home Health Care. Diese Einrichtung ist mit unseren Sozialstationen zu vergleichen bis auf ein paar Ausnahmen und Besonderheiten:

  • Diese Einrichtung betreut rund 650 Patienten
  • Die häufigsten Erkrankungen sind Herzerkrankungen und Diabetes durch die katastrophale Ernährungsweise
  • Hauptpfeiler der Home Health Care ist die Familie. Es besteht eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Die Hauptaufgabe der Krankenschwester ist es, die Angehörigen bei der Pflege anzuleiten und weniger selbst die Pflege durchzuführen
  • In der Regel wird ein Patient über 60 Tage betreut. Die zuständige Krankenschwester erstellt die Planung und wenn sie feststellt, dass der Patient länger oder kürzer betreut werden muss, kann man noch gewisse Änderungen über die Versicherung beantragen
  • Eine Visite der Krankenschwester kostet 105$ (ca. 126 €), unabhängig von Zeit und Aufwand
  • Eine Visite der Physiotherapeuten kostet 120$ (ca. 144 €)

An diesem Tag war ich mit Nurse Regina zusammen, die als einzige Nurse in dieser Einrichtung TeleHomecare betreibt.

Telehomecare ist eine neue und zeitsparende Methode, bei Patienten Visite zu machen. Der Patient erhält ein Gerät mit Videokamera an dem eine Blutdruckmanschette und ein Stethoskop befestigt sind.

Dieses Gerät stellt er bei sich zu Hause auf, er sieht über einen Monitor die Krankenschwester und kann mit ihr kommunizieren. Umgekehrt sitzt die Pflegekraft hinter ihrem Computer und hat ein Programm, worüber sie dann den Patienten sieht. Um die Herztöne und die Atmung abzuhören, setzt sie sich die an dem Gerät angeschlossenen Kopfhörer auf, während der Patient sich das Stethoskop an die jeweiligen Stellen hält. Es war für mich sehr eindrücklich, mitzuerleben wie eine Patientenvisite statt findet, ohne dass man direkt im Haus des Patienten ist.

Am darauf folgenden Tag habe ich Schwester Nancy, ebenfalls von Home Health Care, begleitet. Sie versorgt hauptsächlich Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen. Da ich bisher solche Patienten nur in einer Psychiatrie kennen gelernt habe, war es für mich sehr spannend zu sehen, wie Menschen mit solchen Erkrankungen in ihrem eigenen sozialen Umfeld leben und dort versuchen ihren Alltag zu meistern. Die Patienten fühlen sich nicht so gefangen und beobachtet. Sie erhalten wenigstens ein bisschen das Gefühl als „normale Menschen“ angesehen zu werden und eben nicht als „Verrückte“ abgestempelt zu sein.

Meine dritte Woche begann mit einem Tag im Hospice. Hospice ist in North Carolina keine Einrichtung wie bei uns, in das die Patienten kommen um ihre letzten Wochen bzw. Tage zu verbringen, sondern von der Struktur her wie Home Health Care aufgebaut. Die Krankenschwestern fahren zu den Patienten nach Hause und versorgen ihre Patienten dort. Wie auch bei Home Health Care konnte ich auch hier eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Pflegepersonal und den Angehörigen des jeweiligen Patienten beobachten. Es kommt wohl sehr selten vor, dass alte, kranke Menschen im Altenheim landen.

Am Dienstagmorgen wurde ich von Monika abgeholt. Sie ist eine Registered Nurse, hat ihren Masterdegree absolviert und unterrichtet jetzt in der School of Nursing. Ich durfte sie bei ihrer Fahrt zur „Soup kitchen“ in New Born begleiten.

Soup kitchen ist eine Einrichtung für Arme, Obdachlose und Kinder. Sie erhalten dort dreimal täglich umsonst eine Mahlzeit und dürfen sich Lebensmittel mitnehmen. Geführt wird diese Einrichtung nur von Ehrenamtlichen.

Monika ist sehr darum bemüht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, um mehr über deren persönliche Situation zu erfahren. Dadurch lernte sie über die Jahre hinweg viele Personen recht gut kennen und kann auf diese Weise oft ganz spezielle Hilfe und Unterstützung anbieten oder auch an einen Sozialarbeiter weiter verweisen.

Mich hat es sehr erstaunt mal die andere Seite von dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sehen und festzustellen, dass Elend und Armut auch dort keinen Halt machen.

Den Mittwoch verbrachte ich wieder in Home Health Care, doch diesmal durfte ich mit Celine, einer Physiotherapeutin auf Tour gehen. So hatte ich die Möglichkeit mitzuerleben, wie Patienten nach einer Hüftprothese oder Knieprothese zu Hause mobilisiert und zu selbständigen Bewegungsübungen angeleitet wurden.

Independence Day, 4th of July ist für alle Amerikaner ein ganz wichtiger Tag. Überall war die amerikanische Flagge zu sehen und abends Feuerwerke.

In der vierten Woche war ich dienstags den ganzen Tag mit einer Hebamme im Health Department. Dieser Tag war der langweiligste von allen. Die Hebamme war irgendwie genervt oder gestresst und hatte überhaupt keine Lust, mir etwas zu erklären. Doch bei soviel erlebnisreichen Tagen kann man so einen langweiligen Tag ganz gut weg stecken.

Mit meinem Englisch hatte ich mittlerweile kaum noch Schwierigkeiten. Die Unterhaltungen machten jetzt sogar richtig Spaß, weil ich nicht mehr Angst haben musste die Hälfte des Inhalts wieder mal nicht zu verstehen.

Meine Ansprechpartnerin am Mittwoch war Arlene. Sie arbeitet schon seit einigen Jahren als Krankenschwester im Emergency Room und hat mir alles ganz genau erklärt und gezeigt.

 Insgesamt stehen dort ca. 58 Betten zur Verfügung. Es gibt jedoch kein Aufnahmestopp, so dass es vor allem am Wochenende nicht selten vorkommt, dass Die Gänge belagert sind mit Patientenbetten. Das Hauptpatientenklientel besteht aus schwarzhäutigen Amerikanern und die Hauptnotfälle sind Schießereien und Autounfälle.

Am nächsten Tag durfte ich mit einer Krankenschwester der Intensivstation im Pitt County Memorial Hospital zusammen arbeiten. Diana hatte erst vor drei Jahren ihre Abschlussprüfung absolviert und hatte große Freude daran, mir alles ganz genau zu erklären und zu zeigen. Wir betreuten zusammen einen Patienten der dialysepflichtig und beatmet war. Ansprechbar war er nicht und auf Berührungen hat er auch keine großen Regungen gezeigt.

Die Schicht einer normalen Krankenschwester beträgt dort 12Stunden.

Aus meinen Beobachtungen heraus entdeckte ich so manche interessanten Unterschiede zu unserem Stationsablauf:

  • Die Registerd Nurse ist nur für medizinische Tätigkeiten wie Infusionen anhängen und überwachen, Medikamente verabreichen und Dokumentation zuständig.
  • Die Nurse Assistent (Pflegehelfer) übernimmt Körperpflege, Mobilisation und teilweise auch die Prophylaxen.
  • Zugriff zu Pflegematerialien und Medikamente besteht nur durch einen Schrank, der sich in jedem Patientenzimmer befindet. Geöffnet werden kann er nur, wenn die jeweilige Nurse ihr Passwort eingibt. Jedes entnommene Material wird sofort gespeichert und nachgeliefert. Dasselbe gilt auch für die Arzneimittel.
  • Am Ende der Schicht machte ich die Feststellung, dass Diana insgesamt mehr Zeit hinter dem Computer zur Dokumentation verbrachte, als direkt am Bett ihres Patienten.

Den Donnerstag verbrachte ich im Pitt Community College. Somit hatte ich die Gelegenheit, im Unterschied zum 4-jährigen College wie ECU, das 2-jährige Ausbildungsprogramm auch noch kennen zu lernen. Den Vormittag über saß ich mit den anderen Schülern im Unterricht und versuchte ein wenig mitzuarbeiten.

Den letzten Tag von meinem Einsatz in Greenville verbrachte ich mit Susan, einer Krankenschwester im Hospital, die sich auf Sterbebegleitung im Krankenhaus spezialisiert hat. Ich hab es sehr bewundert, wie sie mit den Patienten und deren Angehörigen umgehen konnte. Ihr fehlten nie die Worte. Sie war ihnen gegenüber ehrlich - aber nie in einer Weise, dass es zu hart für die Betroffenen gewesen war. Sie besaß die Gabe Wahrheiten so zu verpacken, dass sie nicht mehr so schwer zu verdauen waren. Unsere Mittagspause mussten wir abrupt beenden, denn sie wurde von der Intensivstation angepiepst, auf der wir am Vormittag den Patienten noch besuchten. Als wir das Zimmer verlassen hatten, teilte sie mir schon mit, dass dieser Patient nur noch einige Stunden leben wird. Genau zu diesem Patienten sind wir dann gerufen worden. Die ganzen Angehörigen waren da, alle weinten schrecklich, der Pfarrer war auch schon da. Ich hatte sehr schnell gemerkt dass ich mit solch einer Situation überfordert wäre. Doch Susan hatte die rechten Worte zur rechten Zeit, konnte tröstend auch den Arm um einen der Angehörigen legen. Aber sie konnte auch einfach mal das schluchzende Schweigen still ertragen. Wir haben dann Gott sei Dank die Station verlassen, noch bevor der Patient endgültig verstorben ist, da sich das ganze doch länger hinausgezögert hat, als man es vermutet hat.

Abschließend über den ganzen Einsatz kann ich sagen, dass es mir wirklich gut gefallen hat, ich sehr viel Interessantes gesehen, erlebt und erfahren habe. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen, die Chance zu einem Auslandseinsatz zu nützen. Trotz manchen Schwierigkeiten und Hürden, die es zu überwinden gab, hab ich von dem Einsatz sehr profitiert, wenn ich auch nicht wirklich viel gearbeitet hab.

Sissy Kummer, Schülerin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule


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